September 2017
Berlin

Hintergrund: Wünsdorf & das Militär

Wünsdorf, heute ein Ortsteil der Brandenburgischen Stadt Zossen, war fast 100 Jahre lang ein bedeutender Militärstandort. 1910 entstanden hier die ersten Kasernen, im Ersten Weltkrieg wurde die Kaiserliche Turnanstalt eingerichtet, es folgten ein Lazarett und Pferdeställe. Auch ein Lager für muslimische Kriegsgefangene – das so genannte „Halbmondlager“ – wurde in Wünsdorf errichtet, in diesem Zusammenhang auch die erste Moschee Deutschlands erbaut. Die „Moscheestraße“ erinnert noch heute daran.

In den 1930er Jahren zogen das Oberkommando des Heeres und das Oberkommando der Wehrmacht nach Wünsdorf, die militärischen Anlagen – insbesondere Bunker und Fernmeldeanlagen – wurden ausgebaut und erweitert. Auch eine militärische Badeanstalt entstand. Während die Sportanlagen von deutschen Sportlern zur Vorbereitung auf die Olympiade 1936 genutzt wurden, entwickelte sich Wünsdorf zur Kommando- und Schaltzentrale der Wehrmacht.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Wünsdorf Sitz des Oberkommandos der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland. Einige Teile der militärischen Anlagen wurden gesprengt, andere demontiert und als Reparationsleistung in die Sowjetunion gebracht. Später entstanden Schulen, Kindergärten, eigene Einkaufsgelegenheiten für die bis zu 75.000 (in der Literatur finden sich sehr unterschiedliche Angaben) Militärangehörigen und ihre Familien: eine „Stadt in der Stadt“, streng abgeriegelt vom Umland.

Zwischen 1990 und 1994 verließen die ehemaligen Sowjetischen Streitkräfte Wünsdorf. Einige Teile der alten militärischen Anlagen konnten umgenutzt werden (als Verwaltungsgebäude, Museen, Antiquariate etc.), andere – wie das Gelände rund um das ehemalige „Haus der Offiziere“ – stehen heute noch leer.

Im Sommer 2016 wird der Ort zum temporären Lernort für etwa 30 Schüler_innen und ihre Lehrenden. Im „1. History SummerCamp“ erkunden wir das ehemalige Kasernengelände mit Foto- und Videokamera und widmen uns v.a. dieser Frage: Wie sieht eine zeitgemäße und kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte von Herrschaftsorten der SED-Diktatur aus? Mehr zum Projektvorhaben hier; erste Impressionen vom Gelände haben wir hier zusammengestellt

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